Forschung und Lehre

Forschung und Lehre

Ziele und Aufgaben

Als Ziele und Aufgaben hat sich der Bereich Naturheilkunde an der Ruhr-Universität Bochum (Abteilung Allgemeinmedizin) die Aufgabe gestellt dazu beizutragen:

  • Primär die klassischen Naturheilverfahren evidenzbasiert zu lehren und die studentische Ausbildung auf diesem Gebiet praxisnah zu gestalten
  • Wissenschaftliche Arbeiten auf diesem Gebiet zu ermöglichen und die Forschung auf diesem Gebiet zu intensivieren. In den letzten Jahren sind eine große Anzahl qualitativ hochwertiger Studien durchgeführt worden, so dass bereits eine solide Grundlage für weitere Forschung besteht.
  • Betreuung von Promotionsarbeiten
  • Durchführung von Seminaren, Konferenzen, Tagungen
  • Ergebnispräsentation auf nationalen und internationalen Kongressen

Naturheilkunde: Begriffsdefinition

Seit jeher bedient sich die Heilkunde der genuinen Heilfaktoren wie Wärme, Kälte, Erde, Wasser, Luft, Pflanzen etc., so dass der Einsatz von Naturheilmitteln seit jeher als fester Bestandteil der medizinischen Behandlung gilt. Im Mittelalter wurden zur Behandlung ausschließlich Naturprodukte eingesetzt. Im 19. Jahrhundert, mit der Entwicklung der Analytik, begann die Pharmakotherapie mit Einzelstoffen aus Pflanzen, die im 20. Jahrhundert mit der vollständigen Synthetisierung von Wirksubstanzen ihren Höhepunkt fand. Durch die Entwicklung der Grundlagenfächer, wurde die Entwicklung synthetischer Arzneimittel zusätzlich beschleunigt. Die Fortschritte der Naturwissenschaften führten außerdem zur Abwendung von der Humoralpathologie hin zum zellularpathologischen Denken. Durch diese Entwicklungen trat die Naturmedizin in der Anwendung und Erforschung in den Hintergrund, blieb aber an einigen Universitäten und klinischen Einrichtungen, vor allem aber in ambulanten Praxen, ein wichtiger Bestandteil der konventionellen Medizin. Zur pragmatischen Definition der "Naturheilkunde" geht man heute von ihren Wirkfaktoren, Wirkprinzipien und ihrer Wirksamkeit aus, wobei in Europa traditionell fünf klassische Naturheilverfahren angewendet werden: Hydro-Thermotherapie, Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Massagen, Phytotherapie sowie die Ordnungstherapie (Abb. 1).

Abbildung 1: Übersicht zu den klassischen Naturheilverfahren

Abbildung 1: Übersicht zu den klassischen Naturheilverfahren

Die meisten dieser Verfahren sind heute fester Bestandteil der konventionellen Medizin: Die Phytotherapie wird auf gesicherter wissenschaftlicher Grundlage breit eingesetzt, wie z.B. die Verordnung von Fencheltee nach abdominellen Eingriffen oder Johanniskrautextrakte (Hypericum perforatum) bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Die therapeutische Anwendung der Ernährung ist in der Krankenbehandlung seit Jahrhunderten mit dem ärztlichen Handeln verbunden und steht heute auf den festen Füßen der Ernährungswissenschaft. Die Bewegungstherapie ist in nahezu allen klinischen Fachgebieten vertreten und anerkannt. Auch die Hydro- und Balneotherapie gehören seit den wissenschaftlichen Arbeiten des Wiener Mediziners Wilhelm Winternitz (1835 - 1917) zur konventionellen Medizin. Am wenigsten bekannt ist die Ordnungstherapie, die heute im Prinzip in allen Fachgebieten die Aspekte einer ärztlich geleiteten psychophysischen Lebensordnung umfasst. Sie beinhaltet u.a. die Berücksichtigung chronobiologischer Aspekte, Entspannungsverfahren, aber auch die Gesundheitsbildung und -beratung.

Der im angelsächsischen Sprachraum verwendete Begriff "Complementary and Alternativmedicine" (CAM) umfasst auch Verfahren wie die Homöopathie, die anthroposophische Medizin oder die Akupunktur. Klassische Naturheilverfahren (Hydro-, Thermo-, Phyto-, Ernährungs- und Bewegungstherapie) stellen im Praxisalltag einen Teil der Routineversorgung dar und sind in weiten Bereichen evidenzbasiert. Sie sind Gegenstand des Curriculums der ärztlichen Weiterbildung sind und  nach der 9. Revision der Approbationsordnung Gegenstand der studentischen Ausbildung.

Naturheilkunde: Universitäre Lehre

Übersicht zu den derzeitigen Lehrstühlen für Naturheilkunde in Deutschland:

  • Lehrstuhl für Naturheilkunde und klinische Pharmakologie, Universität Ulm,  seit 1995 (T. Simmet),
  • Stiftungsprofessur für Naturheilkunde, Universität Rostock (K. Kraft),
  • Stiftungsprofessur für Naturheilkunde, Universität Duisburg-Essen (G. Dobos),
  • Stiftungsprofessur für Naturheilkunde, Universität Berlin, Charité (M. Michalsen)
  • Stiftungsprofessur für Naturheilkunde und Komplementärmedizin an der Fachhochschule Fresenius Idstein (W. Gündling)
  • Stiftungsprofessur für Naturheilkunde, TU München (M. Melchart)

Lehre

Die Lehre umfasst die Pflichtvorlesungen und Wahlfachangebote. Die Lehre steht in enger Verbindung mit der Klinik für Naturheilkunde (Lehrabteilung der Ruhr-Universität Bochum) der Klinik Blankenstein in Hattingen. Auf diese Weise ist die direkte Lehre am Krankenbett möglich und erfüllt die geforderte Praxisnähe.

Pflichtvorlesungen

Querschnittsfach "Rehabilitation, Physikalische Medizin und Naturheilverfahren"

Die 9. Revision der Approbationsordnung der Ärzte die am 1. Oktober 2003 in Kraft trat, beinhaltet den neuen obligatorischen Querschnittsbereich "Rehabilitation, Physikalische Medizin, Naturheilverfahren". Damit ist erstmals die Möglichkeit gegeben bereits im Medizinstudium die Inhalte der Rehabilitation sowie die Möglichkeiten der Physikalischen Medizin und der Naturheilverfahren umfassend und an der Praxis orientiert allen Studierenden nahe zu bringen. Die Pflichtvorlesungen finden im Regel- und Modellstudiengang jeweils im Wintersemester statt.

Wahlfächer

Akupunktur

Die Akupunktur wird jedes Semester als Vorlesungsreihe zweistündig (Grundkurs-, Aufbaukurs) angeboten. Der Grundkurs im Sommersemester, der Aufbaukurs jeweils im Wintersemester. Die Studierenden können die Akupunktur als klinisches oder vorklinisches Wahlfach absolvieren. Die Vorlesungsstunden werden von maßgeblichen Akupunkturgesellschaften, mit denen eine enge Kooperation besteht, auf den Ausbildungsumfang anerkannt. Ein Praktikum zur Akupunktur wird in der Klinik für Naturheilkunde angeboten.

Forschung - Projekte

Auf dem Gebiet der klassischen Naturheilverfahren werden neben experimentellen pharmakologischen Untersuchungen, vor allem klinische Forschung und Versorgungsforschung durchgeführt.

Experimentelle Forschung

Seit mehr als 15 Jahren arbeitet die Forschungsgruppe (Lukanov, Sagortchev, Beer) über pflanzliche Vielstoffgemische unter Anwendung unterschiedlicher pharmakologischer Methoden am Labor der Klinik Blankenstein. Im Folgenden werden die Forschungsprojekte vorgestellt.

Untersucht werden vor allem Wirkungen und Wirkmechanismen auf molekularer Ebene. Die daraus generierten Ergebnisse ermöglichen eine zielgerichtete klinische Studienplanung. Der Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt derzeit auf Untersuchungen zu Adrenorezeptoren.
So konnten beispielsweise Untersuchungen zum Wirkmechanismus von Thymol und Rosmarinöl abgeschlossen und die Ergebnisse publiziert werden.

Klinische Forschung

In der Klinik für Naturheilkunde der Klinik Blankenstein, Hattingen, werden regelmäßig klinische Studien durchgeführt und die Ergebnisse in entsprechenden Fachzeitschriften publiziert.

 

1999-2001